Reiseende oder der Anfang von etwas…

Reisebericht

Der Urlaub ist vorbei. Wirklich 14 Tage, zwei Wochen? Das kommt mir unmöglich vor. Die Zeit verging so rasend schnell. Ich erinnere mich, als wir in Kapstadt ankamen .Ich dachte, morgen ist das Land zwei Wochen. Wir werden so viel sehen und so viel machen und so viele Stunden, wow, ist das lang. War es nicht. Es war kurz, d.h. nein, es war nicht kurz. Es war schon genauso lang, aber mir kam es ganz kurz vor oder doch lang, wenn ich zurückblicke. Wir haben so viel gesehen, es war so unbeschreiblich. Wir haben. Wir haben irgendwie alles gesehen. Wir waren in einem kleinen Land. Nein, es ist kein kleines Land, es ist ein großes Land, 1,2 Millionen km². Wir waren in einem relativ großen Land und sind zwei Wochen an einem kleinen Teil in einem kleinen Teil mehr gefahren. Wir haben so viel gesehen. Wir haben Menschen getroffen, das war, glaube ich, das Wichtigste. Wir haben so viele wunderbare, freundliche, hilfsbereit und vor allen Dingen lachende Menschen getroffen. Ich glaub, ich hab’ in meinem Leben noch nie so viele lachende Menschen auf einmal gesehen. Irgendwie habe ich den Eindruck bekommen, dass jeder lacht und es ist nicht dieses künstliche Lachen. Dieses :Schön, dass ihr da seid, Gäste.    Ich will jetzt freundlich sein, lachen, nein, es ist dieses Lachen mit dem Herzen, mit dem Herzen und mit den Augen. Sie lachen mit den Augen und fühlen mit dem Herzen. Das muss man erstmal können. Ich bewundere sie dafür und ein kleines bisschen beneide ich sie. Sie könnten, obwohl es ihnen schlecht geht, einfach so lachen. Sie können glücklich sein, sie können freundlich sein. Sie können es genießen. Sie können den Moment genießen Das möchte ich auch können, ob das lernen kann, ob man es lernen kann, wenn man häufiger hierher kommt oder ob man das auch lernen kann, wenn man in Deutschland ist. Ich möchte es lernen. Ich möchte wissen, wie das geht. Ich möchte lernen, glücklich zu sein. Ich bin glücklich, aber so, so anders, so für den Moment. Ich möchte lernen, diesen jeden Moment genießen zu können. Ich möchte lernen, vor allen Dingen jetzt und hier zu leben, nicht in der Vergangenheit und in der Zukunft ob das geht, ich will’s probieren. Der Reiseführer hat am Schluss gesagt, es war schön, dass ihr da wart, es war schön, dass ihr mir die Gelegenheit gegeben habt, ein bisschen über dieses Land zu erzählen. Euch ein bisschen was zu zeigen, ein bisschen. Euch ein bisschen zu entführen in diese Welt, in dieses Afrika, ja am Anfang hat er gesagt, es soll die Reise unseres Lebens werden, das hat er gemeint. Ich hab schon so viele Reisen gemacht. Warum soll gerade diese Reise die Reise meines Lebens sein, das hab’ ich nicht verstanden. Jetzt, jetzt verstehe ich es. Er wollte gerne, dass ich mich darauf einlasse, dass ich, und das hat er auch gesagt, dass ich, kurz nachdem wir angekommen sind, mir selbst sage: Ich möchte zwei Wochen entführt werden in einem Traum, der doch der Wirklichkeit ist. Ich möchte sie spüren, diese Menschen. Ich möchte mit ihnen zusammen lachen. Ich möchte sie anfassen, ich möchte es genießen. Ich möchte ihr Essen probieren, dieses wunderbare, unendlich lecker zubereitete Essen. Ich möchte ihren Wein genießen. Diesen Wein, in dem man Afrika spürt, die Hitze, das Feuer, die Glut, die Träume, die Versuchung, die Milde und die Sanftheit. Diese, wow, ist das ein toller Wein. Ich möchte lachen, wie die Kinder, ich möchte verstehen, warum sie mir zuwinken. Vielleicht hab’ ich es ein kleines bisschen gelernt. Ich habe zurückgewunken, zurückgebucht, zurückgenossen, ich war ein klein wenig ein anderer Mensch, das hat Spaß gemacht, das war nicht einfach eine Urlaubsreise. Ich war ein Teil von ihnen, ein Teil von dem Leben hier,  für zwei Wochen, nur kurz, aber ich war ein Teil von ihm. Ich war mittendrin. Vielleicht hat er das gemeint, vielleicht wollte er, dass ich mich auch später immer an diese Momente zurückerinnern werde und fühle: Ja, das war die Reise meines Lebens und dann hat er noch was Komisches gesagt. Er hat gesagt, dass es okay ist, wenn ich jedes Jahr eine neue Reise meines Lebens habe werde, wie geht das? Ich weiß es nicht, aber ich möchte es herausfinden. Ich möchte zurück. Ich möchte in dieses Land zurück.

“Achtung bitte anschnallen”, das war die Stimme des Flugbegleiters. Ich sitze schon im Flugzeug. Die letzten Minuten hab’ ich regelrecht verschlafen, ja verträumt.

Sitze im Flugzeug. Ich habe einen Fensterplatz. Ich habe einen Fensterplatz auf der rechten Seite, da, wo mir nicht die Sonne ins Gesicht scheint. Es ist nachmittags, ich wollte rausschauen. Ich wollte noch mal Afrika sehen. Ich wollte Tschüss sagen, ich wollte diesem Kontinent Tschüss sagen, aber, dass “er” mir das erlauben würde, die Menschen mir erlauben würden , tschüss zu sagen oder ob sie, ohne es auszusprechen, sagen würden: “Hey, komm zurück, genieße uns und dann sehen wir uns noch einmal und noch einmal ich hätte ich die Möglichkeit einzutauchen.  Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass ich darüber nachdenke, zweimal das gleiche Land zu bereisen. Das hab ich noch nie gemacht. Vielleicht jetzt, vielleicht jetzt zum ersten Mal. Aber vorher muss ich in Europa, in Deutschland erzählen von diesem Land, von diesen Menschen, von diesem Lachen, von diesen unendlich großen Herzen und ich muss es allen erzählen, dass Afrika ganz anders ist. Es ist, es ist nicht einfach nur ein Kontinent oder ein Land. Es ist nicht einfach nur eine Urlaubsreise. Es ist viel, viel mehr. Es hat mich ergriffen, tief in meinem Innersten und ich werde zurückkommen. Ich werde dieses Land entdecken. Ich werde mit anderen Menschen darüber reden. Ich werde sagen, wenn in Deutschland etwas anderes erzählt wird, dass es gefährlich ist, und kriminell und alles schlimm ist und alle korrupt.

Ich werde stop rufen, es gibt so viele wunderbare Menschen, ja, es gibt auch die schlimmen, gefährlichen, die  Kriminellen, aber das ist eine kleine Minderheit.

Wie toll ist dieses Land. Lasst uns genießen. Lasst uns Afrika lernen. Lasst uns lachen, gemeinsam sein, das Händeschütteln, das Umarmen. Lasst Afrika in unsere Herzen, wir möchten, wir brauchen es. Es ist warm geworden in mir, und es wird immer DIE REISE MEINES LEBENS bleiben.

Das Flugzeug zieht seine Kreise und steigt höher und höher und entfernt sich immer weiter weiter. Vor mir zehn riesige Flächen von Braun und Grün vorbei, dann nichts. Nichts, doch kommt es mir anders vor als vor zwei Wochen, als ich herkam, das ist Teil des Lebens, Teil des Kreislaufs von Sonne, Wasser, Erde. Ich war ein kleines Stückchen davon, glücklich und dankbar dafür. Mit diesen Bildern vor mir fallen mir die Augen zu und ich schlafe ein, träume von Afrika auf dem Weg nach Europa – Mach’s gut Südafrika, bleib wie du bist ….

Peter Kirsten

Südafrika Reiseleiter

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