Nach und nach kommen auch die anderen Gäste. Ich glaube, es werden zehn sein. Ich bin unsicher, weil:
Eine Gruppenreise…. – ich hätte früher nie geglaubt, dass ich so etwas mache, mit anderen Leuten, die ich nicht kenne. Alle fremd, komische Leute, vielleicht? Aber vielleicht sind es ja auch interessante Leute. Vielleicht sind ja einige dabei, die genauso wie ich, gerne fotografieren oder sich mit mir über verschiedene Weinsorten austauschen wollen. Irgendwas wird schon passen, denke ich und wenn nicht?? Was heißt: Wenn nicht?
Positiv sein … ne ich glaub, ich freu’ mich drauf heute Abend fahren wir in diesen großen Wein Ort Stellenbosch ich bin gespannt ich habe schon sehr viel darüber gelesen über den Wein in Südafrika. In Deutschland bekommt man nur in wenigen Geschäften in südafrikanischen Wein besten sind es Italiener oder Franzosen berühmte Borau, die man unbedingt kennen muss, wenn man sich mit anderen Leuten unterhält, die ich aber auch nicht kenne und deswegen denke ich, dass es vielleicht ganz toll wäre, wenn ich endlich auch ein paar Weinsorten aus einer anderen Mann kennen lernen Und dir schmeckt bestimmt auch gut oder sogar besser.
Vielleicht entdecke ich, dass dieser Wein für mich super schmeckt. Mag ich eigentlich Rotwein oder Weißwein? Ich glaube Weißwein, weil ich das aus Deutschland ja besser kenne, aber ich hab’ gelesen, in Südafrika gibt es vor allem Rotwein, leckeren Rotwein. So ganz tief dunklen Rotwein, der, wenn man in das Glas füllt, ganz langsam am Glas entlang herunter läuft. Ich freue mich so darauf.
Der Reiseleiter reißt mich mitten aus meinen Gedanken. “Jetzt sind wir vollzählig. Muss noch mal jemand zur Toilette, zwei andere Gäste melden sich. Ich bin so aufgeregt, ich muss nicht.
Wir laufen den Gang am Flughafen entlang Richtung Ausgang. Irgendwo wird ein Bus stehen, ein kleiner Bus mit Hänger oder ohne Anhänger, ist auch egal. Ich weiß noch nicht, wie’s draußen ist, weil hier drinnen, im Flughafengebäude ist alles klimatisiert, eine große Halle mit vielen Menschen, Stimmengewirr. Menschen verschiedenster Hautfarbe wuseln umher, viele schwarze und farbige Kinder rennen, Leute schieben riesige Gepäck-Trolleys vor sich her. Wir haben die Toilette hinter uns gelassen und streben dem Ausgang zu.
Eine riesengroße Halle eröffnet sich und ich bin beeindruckt. Es sieht ein bisschen aus wie Weihnachten, überall kleine Lämpchen, die leuchten. Aber irgendjemand hat mir erzählt, dass das ist immer so, hier. Hier leuchten einfach überall kleine Lämpchen, komisch, wo eigentlich gar nicht genügend Strom vorhanden ist, leuchten überall kleine Lämpchen. Aber ich muss gestehen: Es sieht gut aus. Mir gefällt es und jetzt sehe ich durch diese riesigen Glasfenster ganz am Ende den Tafelberg, was für ein toller Berg.Da fahren wir demnächst hin, da werde ich drauf rumlaufen, da werde ich auf die Stadt gucken. Wow, ich bin beeindruckt.
Wir verlassen die Halle und wohlige Wärme streift mein Gesicht. Ich war eingestiegen zu Hause in Deutschland bei 16°, hier sind gut und gern 25 und das vormittags. Die Sonne scheint, es ist eine warme, gelbe Sonne, sie kitzelt mein Gesicht und mein Herz freut sich, ich freue mich. Wir schieben unser Gepäck Richtung Bus durch eine niedrige Halle, Richtung Parkhaus, da treffen wir den Bus und unseren Busfahrer. Er sieht freundlich aus, Jason heißt er. Er sagt:” Hello, my name is Jason, I will be your driver for 2 weeks now.”
Der Dialekt ist ungewöhnlich, aber er gefällt mir, klingt so ein wenig nach holländisch.Ich finde es gut, wenn man nicht mehrmals einen anderen Fahrer hat, sondern die ganze Zeit mit dem gleichen Fahrer fährt. Das gefällt mir. Darauf freue ich mich. Jason nimmt uns das Gepäck ab, zusammen mit dem Reiseleiter. Der Bus ist geräumig, es riecht neu, nach Lederpflege, frisch gesäubert.
Kutzer steigen, ist viel Platz für zehn Leute, das ist fast jeder Platz, den er nicht ganz eng mit jemanden teilen muss. Ich entscheide mich nicht, in die erste Reihe zu gehen, weil ich gelesen habe, dass es Streit gibt zwischen unterschiedlichen Reihen und wer wo sitzen darf und muss, also entscheide ich mich, nicht in der ersten Reihe zu sitzen. Für mich ist die Zweite gut. Ich nehme in der zweiten Reihe Platz, man kann die Beine ausstrecken, das ist gut und ich hab’ Platz für meinen Rucksack. Da kann ich die Kamera jederzeit rausziehen. Die Fenster sind sauber, auch die Frontscheibe. Ich freue mich. Ich freue mich auf die Reise, auf jedes einzelne Stück, ich bin aufgeregt. Ich frage jetzt: “Entschuldigung, fahren wir heute schon in die Stadt?“ “Ja, wir fahren heute.” “Und bekommen wir da heute schon den südafrikanischen Wein zu trinken, gibt es den da, trinken alle Menschen hier Wein oder gibt es auch Leute, die Bier trinken?” “Alle Menschen trinken Wein und Bier”, antwortet der Reiseleiter und lacht verschmitzt. Nein, natürlich nicht. In Südafrika ist es genauso wie in anderen Ländern. Manche Menschen trinken dies, andere wiederum das …, viele Menschen trinken Wasser oder Saft oder Cola. Das ist wie überall. Die Leute trinken verschiedene Sachen, abhängig davon, ob sie Lust haben, ob sie arbeiten oder Freizeit haben, was ihnen gefällt und was sie sich leisten können. Es ist ein Land, das woanders liegt und trotzdem auch in vielerlei Hinsicht so ähnlich ist wie Deutschland.
Warum soll hier alles anders sein? Weil es Afrika ist, Afrika, Afrika ist ein Erdteil, ein Kontinent und auf diesem Kontinent gibt es ganz viele Länder. 34 oder 54, hab ich gelesen, über 1 Milliarde Menschen, die können doch nicht alle wie wir sein oder können sie?
Es ist so wie in Europa, glaube ich, wir Deutschen sind auch anders als Spanier, obwohl wir Europäer sind, wir Europäer sind auch nicht alle gleich, wir Deutschen, wir Franzosen, wir Kroaten,wir Norweger. So. Alle anders sind Südafrikaner in die Land anders oder ist es wie Bayern und Schleswig-Holstein und Berlin und Nordrhein-Westfalen wahrscheinlich schon. Ich bin gespannt. Wir fahren los, der Bus bewegt sich, ruhig und leise fährt er an; ich hatte vorher überlegt, ob es so ein Bus sein würde, so mit komischen Sitzen. Nein, das konnte nicht sein, denn die Reise war ja nicht so günstig. Sie konnten keinen Bus nehmen, der nicht in Ordnung war. Ich war beruhigt und erleichtert. Es war ein toller Bus, man hatte Platz für sein Gepäck und konnte seine Jacke oben reinlegen, oben in diese Ablage, diese kleinen Gepäckfächer und außerdem noch den Rucksack. Ich hatte extra den Rucksack genommen, weil ich meine Kamera mitnehmen wollte. Ich wollte Fotos machen, viele Fotos, Fotos von Löwen, Elefanten, von Menschen, vom Berg, von allem. Ich wollte 1000 Fotos machen, aber vielleicht doch nicht. Die Fotos werden auch vielleicht auch zu viel, denn mal ehrlich, was macht man mit den vielen Fotos, aber egal, ich wollte auf jeden Fall viele Fotos machen und jetzt hatte ich auch Platz, meine Kamera irgendwo zu platzieren und hatte sie immer griffbereit. Die Scheiben waren sauber. Bestimmt hatte Jason sie vorher geputzt. Irgendjemand hat ihm gesagt: Jason, du musst die Scheiben reinigen. Da kommen zehn Deutsche, die sind immer sehr akkurat. Ich habe gehört, dass die Menschen in anderen Ländern von Deutschland so eine Idee haben, dass bei uns immer alles gerade läuft und glatt läuft, ist immer alles wunderbar, organisiert ist, dass wir in allem perfekt sind. Das perfekte Deutschland, das Deutschland des perfekten Fußballs, das Deutschland der perfekten Maschinen.
Ist Deutschland das Land der perfekten Menschen, ist das wahr? War es das früher? Und heute? Woher haben wir diesen Ruf, sind wir so perfekt oder wollen wir so perfekt sein oder wollen wir vielleicht gar nicht so sein, aber wir können nicht anders. Irgendwoher müssen Menschen in anderen Ländern diese Idee herhaben, das können Sie sich doch nicht ausgedacht haben, oder?Vielleicht, vielleicht sind wir wirklich ein bisschen perfekter als andere. Aber dann ist es ja auch gut. Wenn man mal irgendwo hinfährt, wo es nicht ganz so perfekt ist, hab ich mir gedacht, wo man sieht, wie Menschen anderswo leben, wie sie klarkommen mit deinem Leben, was nicht perfekt ist, wo sie klarkommen mit einem Leben, was nicht vom ersten Tag an auf ein einigermaßen gesichertes Umfeld treffen, wo sie sich Gedanken machen müssen. Sorgen vielleicht? Sorgen, wie sie, wie sie etwas zu essen bekommen oder wie sie einen neuen Job bekommen, Sorgen, ob sie ihre Wohnung bezahlen können, Sorgen wegen vieler Dinge, aber dann verstehe ich nicht, wenn sie sich alle immer nur Sorgen machen müssen, dann verstehe ich nicht, warum sie ganz oft lachen? Das hab’ ich auch gehört, dass sie ganz oft lachen, Menschen in Afrika lachen. Deutsche sind immer perfekt. Menschen in Afrika lachen immer, ob das stimmt? Ich will das herausfinden. Ich will es in den nächsten zwei Wochen herausfinden.

